Heidrun Gerzymisch verfasst Gutachten zum Begriff Schriftdolmetschen

Prof. Dr. Heidrun Gerzymisch beschäftigt sich seit mehr als zwei Jahrzehnten mit der ‚gemittelten“ Kommunikation und gründete unter anderem das Advanced Translational Research Center (ATRC). Forschungsschwerpunkte ihrer Arbeit sind unter anderem die Begriffe und Methoden der Translationswissenschaft. In diesem Kontext hat sie bereits mehrfach das Schriftdolmetschen als intralinguale, multidimensionale Translation beschrieben. Nun hat sie zudem für den Bundesverband der Schriftdolmetscher Deutschlands e. V. ein Gutachten zum Begriff Schriftdolmetschen erstellt.

Neben eines Abriss der theoretischen Hintergründe und der aktuellen wissenschaftlichen Forschung wirft sie darin einen Blick auf gemeinsame Dolmetschprozesse.

Das gesamte Gutachten können Sie hier als PDF lesen.

Europäische Konferenz der Schriftdolmetscher – ein voller Erfolg!

Teilnehmer aus Tschechien, Österreich, Dänemark, Finland, Schweden, Norwegen, den Niederlanden, Belgien, Großbritannien und Deutschland hatten sich zum 1. Eurpean Congress of STTRs in den Niederlanden eingefunden. Schon vor der Eröffnung waren die Schriftdolmetscher nicht zu bremsen, machten sich bekannt und tauchten sogleich in rege Diskussionen ein.

Bei der Eröffnung erklärte Maarten Vogelaar (Gebärdensprachdolmetscher, Kommunikationstrainer und Gedankenleser) den verblüfften Teilnehmern, wie er an der Körpersprache erkennen kann, ob jemand die Wahrheit sagt und führte aus, wie wichtig es in unserem Beruf sei, nicht nur zu wissen, was der Redner sagt, sondern auch, was er denkt und meint. So spannend wie es anfing, ging es weiter: Birgit Nofftz stellte die Schriftdolmetschertechniken in den europäischen Ländern vor und anschließend schilderten Marcel Bobeldijk (Präsident des EFHOH) und Lidia Smolarek Best (Vorstandsmitglied von EFHOH) aus Sicht der Betroffenen, was beim Schriftdolmetschen von Bedeutung ist.

Nach einer – zum Teil recht kurzen Nacht – wurden die Teilnehmer im Bereich Ethik mit ihren eigenen Beurteilungen und Meinungen sowie deren Auswirkung auf die Dolmetschleistung konfrontiert. Lösungsvorschläge zum Umgang mit einer konfliktären Dolmetschsituation wurden diskutiert: Darf der Dolmetscher noch während des Jobs absagen, wenn er merkt, dass er nicht unbefangen ist? Wie kann man sich in so einer emotionalen, stressbehafteten Situation den Freiraum schaffen, um so eine Entscheidung überhaupt zu treffen? Und wenn man das tut, wie ist das möglich, ohne die beteiligten Personen zu kränken?

Der restliche Tag war der Technik und dem Austausch gewidmet: Veyboard-, Spracherkennungs- und Velotype-Workshops, Stände unterschiedlicher Anbieter und die Möglichkeit einfach herum zu gehen und sich die unterschiedlichen Methoden, Kürzelsysteme, Programme und vieles mehr zeigen zu lassen und zu diskutieren.

Auch beim hervorragenden Dinner (4 Gänge niederländische Spezialitäten – lecker!!) wurde munter weitergeredet: Wie sieht die Vereinsarbeit bei euch aus? Habt ihr auch zu wenig Schriftdolmetscher? Wie bildet ihr aus? Warum seid ihr Schriftdolmetscher geworden? Wie ist bei euch die Zusammenarbeit zwischen Schriftdolmetschern und Gebärdensprachdolmetschern? Wie kommt ihr politisch voran … und vieles, vieles weitere mehr wurde diskutiert.

Am Abend stand fest: Wir wollen unter den Ländern enger zusammenarbeiten und nicht ständig das Rad neu erfinden. Die Gründung der European Speech to Text Association (ESTTA) wurde in Angriff genommen, in denen alle europäischen Länder Vertreter entsenden, auch die Länder, die noch keine eigenen Bundesverbände haben.Vertreter für Deutschland wurden Birgit Nofftz und Anja Lützen.

Viel zu früh stand der letzte Tag vor der Tür. Finnische Studien zum Schriftdolmetschen, unterschiedliche Lösungen / Plattformen für das Online-Dolmetschen und die Poligraf-Technik aus Tschechien bildeten den Abschluss einer gelungenen Veranstaltung.

Es hat Spaß gemacht und schreit nach einer Wiederholung, die es auch geben wird: 2014 findet die 2. ECOS in Finland statt. Bitte vormerken!

(B. Nofftz)